Frankfurter Flughafen: Gegner brachten den Fluglärm nach Kassel

Aus der Hessisch/Niedersächsichen Allgemeinen (HNA):
Von Frank Thonicke
Kassel. Dietrich Elsner war einer, der gestern den Fluglärm nach Kassel brachte. Zwei Lautsprecher waren auf dem Auto montiert, und der Lärm war wirklich ohrenbetäubend: 80 Dezibel, hieß es. Soviel Krach dröhnt den Anwohnern des Frankfurter Flughafens in den Ohren, wenn die lauten Maschinen landen oder starten.

200 Ausbaugegner waren zum Auftakt des Prozesses vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) nach Kassel gekommen. Der 11. Senat des VGH verhandelt den ganzen Juni hindurch elf Musterklagen – zehn richten sich gegen den Ausbau, aber auch die Lufthansa hat geklagt. Sie will mehr Nachtflüge.

Die Demonstranten vor dem Haus der Kirche in der Wilhelmshöher Allee – in den großen Saal der Kirchenveraltung zog der Verwaltungsgerchtshof aus Platzgründen – waren mit zwei Reisebussen gekommen, aber zum Teil auch mit dem Fahrrad. Am 29. Mai waren 15 Protest-Radler an der Mahnwache gegen den Ausbau in Kelsterbach gestartet, die letzte Etappe von Baunatal bis zur Wilhelmshöher Allee war nur lockere acht Kilometer lang.
Einer der Radler war Dietrich Elsner. „Es ist kein Spaß, den wir hier machen, es ist tot ernst“, sagte er. „Es wird hier schließlich darüber entschieden, ob wir weiterleben können im Rhein-Main-Gebiet“. Er selbst, so Dietrich Elsner, sei schon 1945 vor den Russen geflohen – „soll ich jetzt vor dem Flughafen fliehen?

Allerdings: Dass der Protest noch etwas nützen könne, davon sind selbst nicht alle Demonstranten überzeugt – aufgeben wollen sie dennoch nicht. „Die Hoffung stirbt zuletzt“, sagt etwa Dieter Tanke aus Kelsterbach. Und es bleibe ja schließlich die nächste Instanz, das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Andere wollen gar bis zum Europäischen Gerichtshof ziehen.

Richtig wütend ist ein Mann aus Flörsheim. Es sei eine Schande, dass in der Bundesrepublik die Menschenwürde mit Füßen getreten werde, schimpft er. Und für Frank Wolff aus Edersheim ist der „Angeklagte längst hingerichtet, bevor vor dem Gericht das erste Wort gesprochen wurde“. Mit dem Angeklagten meint er den Wald, der dem Ausbau des Frankfurter Flughafens im Wege stand. Der wurde inzwischen schon zum großen Teil angeholzt.

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