Freie Wähler winken mit dem Nasenring

Wilfried Harth habe auf der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses mit dem Grinsen gar nicht mehr aufgehört. Es sei ihm gegönnt. Gerade er war nach dem Verlust der absoluten Mehrheit der SPD so tief gestürzt wie kein anderer: Vom Stadtverordnetenvorsteher zum einfachen Mitglied. Das beutelt ein Ego, das gewohnt ist, Macht auszuüben. Bei solchen Politikern soll der Phantomschmerz besonders heftig sein.

Zellerokratie: Politisch gewollt – finanziell eigentlich nicht mehr machbar.

Auch Jürgen Zeller, der auf der SPD-Sitzung zum Abnicken des Koalitionsvertrages noch geklagt hatte, nach der verlorenen Wahl hätten die anderen Parteien zwar mit der SPD gesprochen, diese aber auch „locker ignoriert“ (Kelsterbacher Käseblättchen), wird seine Freude haben an dem, was heute Abend auf der Stadtverordnetenversammlung eingeleitet wird: nämlich ein Rollback auf allen Ebenen – das, was die ehemalige Opposition mit der SPD veranstaltet hatte, wird sich nun wiederholen. Nur mit umgekehrten Vorzeichen und sämtliche Posten werden von Oppositionsleuten „gesäubert“ werden.

Die Mittel, zu denen SPD und Freie Wähler dabei greifen wollen – Auflösung und Verkleinerung der Ausschüsse, Vergrößerung des Magistrats – mögen legal und legitim sein im Spiel um die Macht. Ob es dem Wähler gefällt, wird sich zeigen. Frühestens bei der nächsten Bürgermeisterwahl, wenn sich der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Manfred Ockel zur Wiederwahl stellt.

A Propos Bürgermeister – aktuell lobt er sich selbst für die Arbeit, die er leistet, von der aber abgesehen von der Bebauung des ENKA-Geländes (mit Hasenställen, die an die Notarchitektur der Nachkriegsjahre erinnert) nicht viel zu sehen ist. Am Sandhügelplatz geht es nicht voran. Die Einlösung der mannigfaltigen Versprechen der Fraport lässt auf sich warten.  Nur der Lärm, den er den Kelsterbachern „versprochen“ hat. Der ist da. Und wie.

In näherer Zukunft werden es die SPD und ihr Bürgermeister nicht viel einfacher haben. Sie sind angewiesen auf die Stimmen der Freien Wähler. Worum es denen geht, wird mit einem Blick auf den Koalitionsvertrag eindeutig klar: Geld. In Form von Aufwandsentschädigungen für die Mitglieder des Ausländerbeirats und – viel schwer wiegender für die ohnehin gebeutelte Stadtkasse – in Form eines Hauptamtlichen Zweiten Stadtrats. Von der Gehaltsklasse A14 mit Personal und Dienstwagen ist die Rede. Da kommt ein hübsches, monatliches Sümmchen zusammen, das der Kelsterbacher Steuerzahler zu berappen hat. Nicht die SPD, die sich um diesen Preis die Macht zurück gekauft hat.

Wie die Herren Zeller und Ockel es schaffen wollen, sich nicht von den Freien Wählern am Nasenring durch die Manege führen zu lassen – darauf dürfen wir gespannt sein. Und sind es auch. Schon heute freut man sich darauf, wie der PR-Mann des Bürgermeisters z.B. die Segregation von Muslimen und Nichtmuslimen (Badetag für muslimische Frauen) im Kelsterbacher Schwimmbad als „gelungene Integrationsmaßnahme“ verkaufen wird.

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