Der neueste Ockel-Hoax

Selten so gelacht! Wäre der Karneval nicht schon vorbei, man könnte meinen, die Ockelschen Äußerungen in der FNP vom 26. Februar seien eine Büttenrede.

Ein Stück Zukunftssicherung
Die Stadt Kelsterbach will das Beste daraus machen, dass sie den Flughafenausbau nicht verhindern kann und strebt dafür einen Kooperationsvertrag mit der Fraport AG an.

Einen Vertrag, der den Kelsterbachern mehr schadet als nützt. Und der für die Fraport von immensem Vorteil ist. Oder wurde inzwischen in den Vertrag aufgenommen, dass Flugzeuge nicht aus eigener Kraft von den Rollbahnen zu den Terminals fahren dürfen, sondern geschleppt werden müssen? Glaubt Ockel immer noch, dass die Flugzeuge die Steigung mit „Null Schub“ schaffen, wie er auf der Bürgerversammlung in der Mehrzweckhalle Nord zum Besten gab?

«Wir setzen uns für einen finanziellen Ausgleich für die vom Flughafenausbau und -lärm betroffenen Kommunen innerhalb der Region ein», sagt Kelsterbachs Bürgermeister Manfred Ockel in einem Gespräch mit den ZING-Lehrkräften. Es sei Aufgabe des Landes Hessen, sich darum zu kümmern, dass die Gemeinden einen finanziellen Ausgleich bekommen, die durch den Flughafen einer starken Belastung ausgesetzt sind, aber nicht so sehr von ihm profitieren.

Soso. Er setzt sich ein, aber es ist Aufgabe des Landes… Was Aufgabe des Landes ist, haben wir in den vergangenen Monaten in der Auseinandersetzung um das Nachtflugverbot erfahren dürfen. Koch und Posch sehen es als ihre Aufgabe an, der Fraport alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, und nicht, für das Wohl der Bevölkerung zu sorgen!

Wenn es einen fairen Ausgleich in der Region zwischen diesen Gemeinden gäbe, dann wäre auch zu überlegen, ob Kelsterbach bereit wäre, einen Teil des Anteils an Fraport-Gewerbesteuer an Gemeinden abzugeben, den es jährlich erhält. In den vergangenen 35 Jahren waren das jedes Jahr zwischen 3 und 10 Millionen Euro. Viel davon könnte Kelsterbach aber nicht entbehren.

Statt von dem Schmerzensgeld, das Kelsterbach von der Fraport erhält, auch noch was abgeben zu wollen, sollte Herr Bürgermeister Ockel sich lieber überlegen, wie er von der Fraport mehr Geld für passiven Lärmschutz bekommt! Mit Katzbuckelei und Liebedienerei ist da natürlich nichts zu machen!

Die Stadt hat eigene strukturelle Probleme und habe schließlich selbst mit Beeinträchtigungen durch den Flughafen zu tun, wie Lärmbelästigung resultierend aus Bodenlärm, Standläufen und höherem Verkehrsaufkommen und Schadstoffbelastung.

Wahre Worte, gelassen ausgesprochen: Der Bodenlärm hat in den vergangenen Monaten derart zugenommen, dass man an manchen Tagen das Fenster nicht mehr öffnen kann, Herr Ockel! Gibt es einen Passus im „fortgeführten“ 68er-Vertrag, der darauf eingeht?!

Insgesamt hat die Stadt Kelsterbach allerdings nicht so viele Belastungen wie beispielsweise Flörsheim oder Raunheim. Fluglärm ist kaum zu hören.

Bodenlärm ist genauso nervig wie Fluglärm, falls Sie das noch immer nicht bemerkt haben sollten. Oder hören Sie schlecht? Ein Segen für Sie. Achso, ja. In Rüsselsheim hört man den Kelsterbacher Bodenlärm insbesondere nachts und am Wochenende gar nicht. Ich vergaß.

Der Ausbau des Flughafens werde sich aber auch in Kelsterbach bemerkbar machen. Die neue Landebahn wird nur 900 Meter vom bestehenden Wohngebiet entfernt sein, und Kelsterbach verliert sein Naherholungsgebiet, führt der Bürgermeister an. Die Stadt Kelsterbach habe sich von daher gegen den Ausbau gewehrt. «Allerdings mussten wir nach zehn Jahren der Genehmigungsverfahren akzeptieren, dass wir den Ausbau nicht verhindern können», so Ockel.

Soso. Sie hätten ja auch den Schwanz nicht einkneifen brauchen und hätten gemeinsam mit eden anderen Städten und Gemeinden vors Verwaltungsgericht ziehen können.

Nun habe die Stadt das Beste daraus gemacht. Die Stadt Kelsterbach strebt an, einen Kooperationsvertrag mit der Fraport AG zu unterschreiben, und etwa 29 Millionen Euro für die gesamten Grundstücke zu erhalten, die bisher Naherholungsgebiet waren.

29 Mios? Das Beste? Das waren mal 31 und schon damals ein schlechter Witz! Wird’s jetzt noch billiger für die Fraport?

Mit dem Ausbau des Flughafens und dem Kooperationsvertrag werde die Zukunft der Stadt gesichert.

Welche Zukunft? Condor zieht ab und genügend Logistikunternehmen gehen raus auf den Mönchhof, wo mit Raunheim zu Ungunsten Kelsterbachs geteilt werden muss! Welche Zukunft also? Die einer Geisterstadt?!?

Viele Kelsterbacher arbeiten am Flughafen, viele Kelsterbacher Betriebe beziehen dort ihr Geschäft her.

Soso. Deshalb müssen noch mehr Kelsterbacher unter dem Flughafen leiden. Wegen einer Minderheit, den Interessen eines Großunternehmens und der suboptimalen Verhandlungsfähigkeit einer Stadtverwaltungsspitze.

Dem Kooperationsvertrag liegt ein Eckpunktepapier zugrunde, das nach einem gescheiterten Bürgerentscheid im vergangenen Jahr nochmals dem Parlament zur Entscheidung vorgelegt werden wird. Das Eckpunktepapier sieht vor, dass der Kooperationsvertrag von 1968 verlängert und aktualisiert wird. Damit können Lärmschutzmaßnahmen über den gesetzlichen Rahmen hinaus realisiert werden

Lärmschutzmaßnahmen? Wie sieht es mit Lärmschutz für den Kelsterbacher Süden aus? Nix. Nada. Niente!

Der Vertrag sieht zum Beispiel auch vor, dass die Fraport AG Schulen und Kindergärten fördert, indem sie zum Beispiel Praktika anbietet und Unterstützung bei der Berufsausbildung leistet. Das soll allen Kelsterbachern zu gute kommen und damit auch den vielen jungen Bürgern mit Migrations-Hintergrund.

Ich bin auch Kelsterbacher. Mir bringt das alles überhaupt nichts. Außer einem horrenden Verlust an Lebensqualität, denn ich kann meinen Garten in Zukunft nur noch durch geschlossene Fenster betrachten. Meine Veranda ist tote Fläche, weil unbenutzbar.

Gemeinsam mit der Fraport AG wird eine gewerbliche Nachnutzung des ehemaligen Ticona-Werkes erfolgen. Weiterhin wird die Stadt Kelsterbach bisher Anteile an der Gewerbesteuer erhalten, die die Fraport zahlt, zählt Ockel einige der Zukunftsperspektiven auf. Das Eckpunktepapier und der angestrebte Kooperationsvertrag mit dem Flughafen seien die Alternativen zur Zwangsenteignung gewesen, so Ockel. Basierend auf mehreren juristischen Gutachten sei man zu dem Urteil gekommen, dass der Ausbau des Flughafens nicht hätte verhindert werden können.

Aha. Wer hat denn da nachgeholfen, dass man zu dem Urteil gekommen ist und: Wie?

«Kommunale Belange zählen nicht», findet Ockel in diesem Fall. Vielmehr sehe er sich nur noch als Verwalter der Auswirkungen von großen Infrastrukturvorhaben.

Erbärmlich. Ein Politiker, der seinen Gestaltungswillen dreingibt, um sich als Totengräber einer Stadt zu betätigen. Wie in einem schlechten Western.

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