Die BfU Eddersheim schreibt an Koch

Offener Brief

Hessische Staatskanzlei                                                                         28. Januar 2010
z. Hd. des Ministerpräsidenten
Herrn Roland Koch
Georg-August-Zinn-Str.1
65183Wiesbaden

Betr.: Ihr Schreiben vom 24. Juli 2003 an die BfU Eddersheim 1975 e.V. Nachtflugverbot und Fluglärm in Hattersheim-Eddersheim

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

der Vorstand der Bürgerinitiative Eddersheim 1975 e.V. nimmt aus aktuellemAnlass Bezug auf Ihr persönliches Schreiben vom 24. Juli.2003, welches Sie uns in Ihrer damaligen Doppelfunktion als Fraport-Aufsichtsratschef und hessischer Ministerpräsident zusandten. Wir erinnern Sie an die in diesem Schreiben gemachte Zusage, dass im Falle eines Ausbaues des Frankfurter Flughafens ein Nachtflugverbot einzuführen ist, oder auf den Ausbau zu verzichten.

Es klingt nur noch zynisch, wenn wir heute Ihre damaligen Worten lesen, dass
„die von mir geführte hessische Landesregierung auch in Zukunft alles in
ihrer Macht Stehende tun wird, um die Anwohner des Flughafens vor unzumutbaren Beeinträchtigungen durch Fluglärm zu schützen.“
Die Realität von heute ist: Seit 2003 hat sich nichts, aber auch gar nichts
verbessert. Ganz im Gegenteil: Der Hattersheimer Ortsteil Eddersheim wird
durch direkte Überflüge mit Lärmereignissen von 80 bis 90 db(A) überzogen.

Als Eddersheimer Bürger können wir – stellvertretend für alle anderen
Flughafenanwohner – feststellen, dass Sie die Ihnen zur Verfügung stehende
Macht genutzt haben, unsere Lebenssituation zu verschlechtern. Wir stehen
den schon heute spürbaren Folgen des Ausbaus und dem aktuellen Lärm nahezu schutzlos gegenüber. Hattersheim wurde vom Verwaltungsgerichtshof bewusst nicht als Musterkläger gegen den Ausbau ausgewählt, weil man unsere
Argumente fürchtet (u. a. Manipulation von 2.534 Jahrestonnen Luftschadstoffe durch Fraport, Untauglichkeit der MIVOTHERM Vogelschlagvorwarnung).
Der gesamte hessische Landtag hat durch seine vielen Beschlüsse jahrelang
nicht den geringsten Zweifel daran zugelassen, dass die Kernaussage „kein
Ausbau ohne Nachtflugverbot“ umgesetzt wird. Ganz zu schweigen von dem
gleichlautenden Ergebnis der Mediation und der erfolgten Verankerung im
Landesentwicklungsplan.
Wir Bürger wurden grandios getäuscht. Denken Sie nicht nur an das
Wohlergehen der Luftverkehrswirtschaft, denken Sie als Ministerpräsident
auch einmal an die schwer belasteten Bürger.
Der Flughafenausbau ist seit August 2000 Ihr persönliches politisches Ziel. Es
ist kein Naturgesetz, dass im Kelsterbacher Wald dereinst 82 Millionen
Flugpassagiere rund um die Uhr abgefertigt werden, an einen Standort, der für
eine derartige Expansion seit Anbeginn der Planungen ungeeignet ist. Die
Folgend, die Sie uns gegen unseren Willen aufbürden, sind unzumutbar. 14.000 herz-, kreislauf- oder krebskranke Bürger (Studie Prof. Dr. med. Eberhard Greiser vom 07. Januar 2010). Die Erkrankungsrate rund um den Flughafen ist bereits heute um ein vielfaches höher, als in Gebieten weit außerhalb des Flughafens. Diese Studie hat den Menschen hier am Untermain die Augen geöffnet. Die Zahl der vorübergehenden Arbeitsplätze, die Sie prognostizieren, wird Anzahl und Leid der Kranken nicht aufwiegen. Ihre Politik des Ausbaus um jeden Preis führt dahin, dass Lohn und Brot des einen Bürgers durch Verlust von Gesundheit, Leben und Eigentum des anderen Bürgers „gegenfinanziert“ werden.
Es ist unglaublich, dass Ihre Regierung und eine Partei, die sich christlich nennt, die Verantwortung dafür zu tragen bereits ist, dass Krankheit und frühzeitiger Tod tausender Bürger im Sinne des „Gemeinwohls“ ein notwendiges „Sonderopfer“ für einen florierenden Flughafen darstellen. Ganz offensichtlich betrachtet die Politik den Wortbruch und die Lüge inzwischen als ganz normale Handlungsalternativen. Da Sie inzwischen nicht mehr gewillt sind, sich an das zugesagte Nachtflugverbot zu halten, appellieren wir an Ihre Regierung, nun den Flughafenausbau zu stoppen. „Kein Ausbau ohne Nachtflugverbot“.  Zwei Seiten einer Medaille, untrennbar verbunden.
Wir haben Ihr Wort hierfür. Ein Wortbruch liegt nur dann vor, wenn trotz
fehlendem Nachtflugverbot weiter ausgebaut wird.

Hochachtungsvoll
Heinz Schuch, Frank Wolf
BÜRGERINITIATIVE für Umweltschutz 1975 e.V.
Werner Schuster (1.Vors.) Walter Mayer (2.Vors.)
Heinz Schuch (Pressereferent) Tel 06145 / 32063 65795 Eddersheim, Parkkstr. 65, h.i.schuch@t-online.de
Frank Wolf (Beisitzer), Anton-Flettner-Str. 5a, 65795 Eddersheim Tel/Fax 06145 / 33417 Mail: e-frank.wolf@web.de

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