2000 gegen 2 Millionen

Die Einen wollen ihre Jobs in Frankfurt behalten. Die Anderen wollen nachts schlafen können und nicht von LH-Cargo-Lärm terrorisiert werden. Die Einen mögen Eigenheime, Familie und Freunde hier haben. Die Anderen haben das auch. Die einen könnten, wenn sie ihre Jobs unbedingt behalten wollten, auch in Leipzig, München oder Köln arbeiten. Die Anderen sind tausendmal mehr und können nicht umgesiedelt werden.

Demokratie ist, die Mehrheit vor der Minderheit der Herrschenden zu schützen und die Minderheiten vor der Herrschaft der Mehrheit.

In diesem Fall ist die Mehrheit (die Flughafenanrainer) vor den Partikularinteressen einer verschwindenden Minderheit (der Luftverkehrsindustrie) zu schützen.

Selbstverständlich ist es legitim, dass die Beschäftigten der Lufthansa Cargo für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze am Frankfurter Flughafen auf die Straße gehen und demonstrieren.

Doch gleichzeitig muss man sehen, dass diese 2000 angeblich gefährdeten Arbeitsplätze von der Lufthansa als politisches Druckmittel gegen ein Nachtflugverbot eingesetzt werden.

Dies wird umso deutlicher, wenn man sich klar macht, dass der Betriebsratsboss von Cargo gleichzeitig Aufsichtsratsmitglied der Lufthansa ist.

Insofern tragen die besorgten Cargo-Arbeiter auch irgendwie ein unsichtbares Schild über dem Kopf auf dem steht: „Nützlicher Idiot“.

Man darf gespannt sein auf die nächsten Tarifverhandlungen bei der Lufthansa. Wird sich das Engagement der Beschäftigten lohnen? Oder werden sie, wie meistens, die Gelackmeierten sein?

Nachtflugverbot

Tausend Frachtarbeiter demonstrieren

Frankfurt/Main. Rund 1000 Mitarbeiter der Lufthansa haben am Montag gegen ein Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen demonstriert. „Die Fracht braucht die Nacht“, skandierten vor allem Cargo-Mitarbeiter, die die Frachtabfertigung für rund zwei Stunden einstellten. Auf mehreren Schildern hieß es mit Verweis auf die wirtschaftliche Bedeutung der Nachtflüge: „Nachts kriegt der Kranich die Mäuse.“

Ein absolutes Nachtflugverbot gefährde tausende Arbeitsplätze an Europas größtem Frachtflughafen, sagte der Betriebsratsvorsitzende von Lufthansa Cargo, Willi Rörig. „Das Geschäftsmodell von Lufthansa Cargo wäre in Frage gestellt.“ Am Wochenende hatte der Konzern bereits erklärt, er werde alle juristischen Möglichkeiten gegen ein komplettes Nachtflugverbot ausschöpfen. (Mehr hier)

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2 Kommentare to “2000 gegen 2 Millionen”

  1. Die Kollegen müssten wahrscheinlich nicht einmal umziehen, wenn sie weiterhin im Cargo-Bereich arbeiten wollen. Bekanntlich gab es nach der Ankündigung von Lufthansa-Cargo vor einigen Monaten, im Falle eines „Nachtflugverbotes“ von 23-5 Uhr den Standort Frankfurt aufzugeben, eine Vielzahl von Konkurrenten, die sich mit Freude bereiterklärten die Aufträge und Slots der Lufthansa zu übernehmen und das Geschäft in den verbleibenden 18 Stunden zu erledigen.
    „Das Geschäftsmodell wäre in Frage gestellt..“. Wenn das so wäre, dann müsste das Geschäftsmodell eben entsprechend geändert werden. Das hat aber was mit verantwortlichem Unternehmertum zu tun und kann bei der halbstaatlichen Lufthansa offensichtlich nicht vorausgesetzt werden. Moderne Unternehmen sind da schon weiter.

  2. Stimmt. Von Cargo selbst kam diese Aussage: Eine Verlagerung des wichtigsten Drehkreuzes Frankfurt an einen anderen Flughafen schließt Spohr allerdings auch für den Fall aus, dass Lufthansa Cargo die Nachtflüge vor Gericht nicht durchsetzen kann. „Niemand bei uns denkt darüber nach, alle 19 Frachtflugzeuge nach Leipzig oder München zu verlagern.“ Ohne eine ausreichende Zahl von Nachtflügen würde sich das Wachstum in Frankfurt allerdings automatisch begrenzen, die anderen Standorte würden dann schneller wachsen. „Und je weniger wir in Frankfurt wachsen, desto weniger brauchen wir dort ein neues Frachtzentrum“, sagte Spohr. (25.06.2008)

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