Kleine Parabel zum „guten“ Nachbarn

Es kann der Bravste nicht in Frieden leben, wenn es den rücksichtslosen Nachbarn nicht gefällt. (frei nach Schiller)

Stellen Sie sich vor, Sie besitzen ein Haus, in dem sie mit Ihrer Familie leben. Sie haben natürlich auch Nachbarn. Der zur linken Hand betreibt in seinem Haus eine Gaststätte. Im nächsten Haus daneben lebt die Verwandtschaft des Gaststättenbetreibers, die 20% derselben besitzt. Das war schon immer so, seit Sie denken können. Sie leben seit über 50 Jahren mit dem Geräuschpegel, den eine Gaststätte nunmal verursacht. Zumal Sie selbst die Gaststätte hin und wieder gerne besuchen. Sie finden sich – auch um des lieben Friedens Willen – mit dem Türenschlagen, dem Autolärm, den Abgasen, den nicht immer angenehmen Gerüchen aus der Gaststättenküche und auch dem nächtlichen Gejohle rücksichtsloser Zecher ab.

Um noch bessere Geschäfte zu machen, ist Ihr Nachbar nun auf die Idee gekommen, seine Gaststätte um einen Biergarten im rückwärtigen Teil seines Grundstücks zu erweitern. Sie befürchten, dass es dadurch zu mehr Lärm kommt und Sie, Ihre Kinder, die kränkelnde Oma im Dachgeschoss – vor allem nachts – stören könnte. Deshalb verlangen Sie, dass der Biergarten auf der Ihnen abgewandten Seite der Gaststätte angelegt wird. Der Wirt aber will den Biergarten partout auf der rückwärtigen Seite seines Gebäudes errichten.

Sie gehen also zum Bürgermeister Ihrer Stadt und beschweren sich. Da der Bürgermeister aber andere Interessen hat – höhere Umsatzsteuereinnahmen, mehr Arbeitsplätze – lehnt er Ihr Ansinnen ab und genehmigt den Biergarten. Allerdings mit der Maßgabe, nur bis 22.00 Uhr draußen auszuschenken. Diese Anweisung unterläuft der Wirt aber systematisch, indem er sagt, er könne nicht verhindern, wenn umsatzstarke Gäste sich ihr Bier drinnen bestellten und dann mit nach draußen nähmen, vor allem, wenn sie rauchen wollten.

Sie machen sich Gedanken, wie Sie wenigstens ein bisschen vom Lärm entlastet werden könnten und haben eine Idee: Wenn die Zufahrtstraße zu einer Einbahnstraße umdeklariert würde, hätten Sie wenigstens den Lärm an- und abfahrender Autos nicht mehr und auch viel weniger Belastungen durch Abgase.

Aber auch davon hält Ihr Nachbar nichts, weil die Gäste es seit Jahrzehnten gewohnt seien, die Straße in beiden Richtungen zu befahren, um zu seiner Gaststätte zu gelangen. Da meldet sich auch die Verwandtschaft des Wirts aus dem übernächsten Haus zu Ihrer Linken zu Wort, die immerhin 20% der Gaststätte besitzt und von ihr profitiert: Dass die Straße zu einer Einbahnstraße umdeklariert werden solle, das gehe ja überhaupt nicht, da könnten die Kinder und der kränkelnde Opa in der Souterrainwohnung ja gar nicht schlafen und überhaupt: die Abgase…Da werde man sich schon zu wehren wissen und alles unternehmen, um das zu verhindern…

Der Bürgermeister, dem Sie Ihr Anliegen vorgetragen und schlüssig belegt haben, dass die Einbahnstraßenlösung technisch machbar ist, hat Ihre Unterlagen entgegen genommen und versprochen, den Vorschlag zu prüfen.

Seitdem haben Sie nichts mehr von ihm gehört. In die Kneipe gehen Sie schon lange nicht mehr.

Unmöglich? Ein Märchen? Weit gefehlt. Die Protagonisten der Geschichte heißen „Offenbach“, „Fraport“, „Frankfurt“, „Manuela Rottmann (Grüne)“, die Straße heißt „N-07(lang)“:

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Mehr dazu in der Frankfurter Neuen Presse. Hier wird auch deutlich, dass selbst unter BIs offenbar das St.Florans-Prinzip herrscht: „Heiliger Sankt Florian, verschon‘ mein Haus, zünd‘ andre an!“ Ein Armutszeugnis für die Frankfurter.

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