Der Wahrheit die Ehre zu geben

Das scheint eine schwere Aufgabe zu sein für das Kelsterbacher Propagandaamt.

Das Presseamt der Stadt Kelsterbach hat diese Woche zwei Meldungen herausgegeben, die sich mit dem Bürgerentscheid beschäftigen.

Daran ist nichts Ungewöhnliches und es ist das gute Recht der Stadt, ihre Sicht der Dinge darzustellen.

Nur scheint es, als sei man bei der Stadt noch immer der Ansicht, zumindest die Initiatoren und Unterstützer des Bürgerbegehrens seien als politische Gegner zu behandeln und nicht wie Bürger, die den Hauptamtlichen und die Ehrenamtlichen wählen sowie deren Aufwandsentschädigungen und Gehälter – auch die der  Verwaltungsangestellten – mit ihren Steuergeldern bezahlen. Wie sich allerdings gewisse Ungenauigkeiten und der Versuch, den – zugegeben: relativen – Erfolg des Bürgerbegehrens herunterzuspielen, erklären lassen, erschließt sich nicht.
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Zur Wahlbeteiligung von „nur 36,52%“ beim Bürgerentscheid ist – bei allem Respekt – zu bemerken, dass die Wahlbeteiligung bei der letzten Bürgermeisterwahl bei 31,6% und damit noch einmal um gute 5% niedriger lag. Darf man daraus nun schließen, dass es für weit mehr als zwei Drittel der Bürger der Stadt völlig bedeutungslos ist, wer hier in Kelsterbach den Bürgermeister gibt?

Und wie kommt man bei der Stadt dazu, zwischenzeitlich zu behaupten, bei „Kommunalwahlen“ gingen „in der Regel mehr als 60% der Wählerschaft an die Wahlurne“?

Die Wahrheit ist: 2006 waren es 42,7% und 2001 50,2% der Bürger, die bei der Kommunalwahl den Weg in die Wahllokale fanden.  Wenn die mehr als 60% wenigstens im Durchschnitt herauskommen sollten, dann müssten es bei den letzten beiden Wahlen im vergangenen Jahrhundert jeweils 73,5% Wahlbeteiligung gewesen sein. Oder bei den letzten 8(! also bis ca. 1960) Kommunalwahlen je 61,3%.

Vielleicht war das ja nur ein Flüchtigkeitsfehler, wie er jedem einmal passieren kann… Aber auch das scheint ausgeschlossen, denn er wurde in der zweiten Pressemitteilung wiederholt und steht da noch immer.
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Selbst wenn dieser Fehler sich per „copy & paste“ in die Meldung eingeschlichen haben sollte: gute PR sieht anders aus. Und wer  nicht bereit ist, Fehler zu korrigieren, nachdem er ausdrücklich – und zweimal –  darauf hingewiesen wurde, den nennt man wohl zumindest „beratungsresistent“, Herr Blaum.

Freitagsanzeiger:

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2 Kommentare to “Der Wahrheit die Ehre zu geben”

  1. Ohne Fleiß kein Preis. Wenn man ständig bei sich selber abschreibt, dann wird aus einer mittelmäßigen Argumentation eine peinliche Sache. Vielleicht sollte im Presseamt jemand die Texte vor der Veröffentlichung noch mal Korrektur lesen. Oder vielleicht ab und zu mal einen neuen Text schreiben.
    In der Pressemitteilung vom 07.07.09 heißt es zur Wahlbeteiligung „in der Regel mehr als 60 Prozent“, in der Anzeige im Freitagsanzeiger am 09.07.dann schon „stets mehr als 60 Prozent“. Und im „Kelsterbach aktuell vom 10.07. gleich zwei mal auf der ersten Seite „in der Regel mehr als 60%“. Macht zusammen schon mal mindestens 240% Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen.

    Das statistische Landesamt weißt für Kommunalwahlen in Hessen seit 1946 tatsächlich hohe Werte bei der Wahlbeteiligung aus. Landesweit im Schnitt 1946 bis 2006 sind es sogar 73,4%. Seit den 1990er Jahren gehen aber die Werte kontinuierlich zurück.

    Bei der letzten Kommunalwahl 2006 mit einer Wahlbeteiligung von 42,7% hätte die Kelsterbacher SPD jedenfalls ein 25% Quorum mit ca. 2299 Stimmen knapp verpasst (die genaue Stimmenanzahl ist in der Statistik leider nicht zu finden). Es ist schon pikant, dass nun Stadtverordnete über ein Bürgerbegehren zu entscheiden haben, die sich bei ihrer Wahl keiner Mindeststimmenzahl stellen mussten.

  2. Die Sache mit dem Quorum ist schon bedenklich: Die Darmstädter sind, bei einer 10 mal höheren Bevölkerungszahl auch an nur 200 Stimmen gescheitert. Das ist noch viel bitterer. Etwa so, als hätten uns 25 Stimmen gefehlt.

    Es stößt bitter auf, dass ein Bürgermeister, der das Quorum um gerade 26 Stimmen überwunden hat und von 74,7% (Das sind DREI VIERTEL!)der Kelsterbacher nicht gewählt wurde, nicht ein wenig mehr Demut vor dem Wählerwillen zeigt. Statt zu versprechen, alles ihm mögliche zu tun, um das Eckpunktepapier zu verbessern, kündigt er an, am bisherigen Kurs festhalten zu wollen.

    Für mich persönlich ist dieser Mann, der offenbar keine Basis in Kelsterbach hat, schon jetzt nicht mehr tragbar.

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