Es gibt ja noch was andres in K-bach: Kultur!

„Faust. Ein teuflisches Jahrmarktsspiel“

Dr. Fausts Studierzimmer war letzte Woche im Fritz-Treutel-Haus die Bühne für Mephistos Teufelsstück. Mit „Faust. Ein teuflisches Jahrmarktsspiel“ gastierte das „Kikeriki-Theater“ aus Darmstadt  an zwei Tagen in Kelsterbach.

kikeriki

Ein liebevoll gestaltetes, im dunklen Blau fast magisch scheinendes Bühnenbild nach Art eines Puppentheaters – und in der Tat war es eine Kombination aus Puppentheater und „großem“ –  versetzte die zumeist erwachsenen Zuschauer zurück in Kindertage mit nostalgischen Erinnerungen an die „Augsburger Puppenkiste“ und so viele andere schön-schaurige Erinnerungen.

Doch kaum begannen Bernd Körner als Famulus Wagner, Detlef Kühner als Faust und Roland Hotz als Kasper sich die Bälle zuzuspielen, wurde das Stück zur ironischen Neuinterpretation des Jahrhunderte alten Stoffs. Ihre Interpretation der Rollen war schlicht herausragend: ein Faust, der nur in Versen sprach, weil er vor lauter Bildung nicht mehr ein noch aus weiß, ein näselnder Famulus Wagner, der seinen Dünkel kaum verbergen konnte und ein Kasper Hanwurst, der hessisch babbelnd ständig passende Kommentare am unpassenden Ort abgab: Faszinierend, wie das vierköpfige Ensemble Puppen- und Menschentheater ineinander mischte, das durch Jo Schmidt an der Tuba, einem Blechstück und diversen Pfeifen, live vertont wurde.

Immer wieder beglückte das Ensemble die Zuschauer mit schönen, witzigen Pointen, die nicht zum Stück gehörten: Die Kostümierung der Schauspieler mit Grillhandschuhen aus dem Baumarkt für 1,99 Euro, die ihnen Schwierigkeiten beim Greifen von Gegenständen machen oder auch die immerwährenden Mahnungen Kaspers an seinen imaginären Puppenspieler, ihn höher zu halten.

Doch blieb das eigentliche Thema, das Streben Fausts nach Allwissenheit, immer sichtbar. Diverse Intrigen (der Puppe) des Mephisto pflasterten seinen Weg zwischen der Paktunterzeichnung zu seiner Höllenfahrt mit Mephisto, wobei er und Kasperle dank dessen frecher Klugheit – wenn auch nur knapp – dem geplanten Höllenritt entkommen konnten.

Eine zweite, wunderbare, überaus komische Vorstellung des Kikeriki-Thaters aus Darmstadt nach dem „Nosferatu“ im Frühjahr, die Lust macht, einmal dessen Haustheater in Darmstadt zu besuchen

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2 Kommentare to “Es gibt ja noch was andres in K-bach: Kultur!”

  1. Wie heißt es bei Faust so treffend:“ Das also ist des Pudels Kern“ Ob wir den auch zu sehen bekommen?

  2. Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten,
    Die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.
    Versuch ich wohl, euch diesmal festzuhalten?

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