Fraport bekennt sich nicht zu historischer Schuld

Flughafenausbau kein Grund zum Feiern – Protest gegen Koch und Bender – ROBIN WOOD erinnert am Jahrestag des Kriegsendes an Zwangsarbeit am Frankfurter Flughafen

Von Monika Lege, Verkehrsreferentin bei ROBIN WOOD

ROBIN WOOD-AktivistInnen protestierten am vergangenen Freitag gegen die Inszenierung des ersten Spatenstichs für den Bau der vierten Landebahn am Frankfurter Flughafen. 4 KletterInnen seilten sich gegen 10.50 Uhr von einer Bahnbrücke über der Okrifteler Straße ab und entrollten dort ein zwanzig Quadratmeter großes Transparent mit der Aufschrift: „Klimaschutz statt Kahlschlag-Party“. Die Straße durchschneidet den Kelsterbacher Wald, der für den Bau der Landebahn bereits großflächig kahl geschlagen wurde.

ROBIN WOOD lehnt den Ausbau des Flughafens ab. In dem heutigen
Feierakt sieht die Organisation eine besondere Provokation, weil Fraport und die hessische Landesregierung damit erneut missachten, dass die Klageverfahren gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens vor dem hessischen Verwaltungsgerichtshof noch laufen und auch der Entscheid der Kelsterbacher BürgerInnen über den Verkauf des Waldes noch aussteht.

Robin-Wood-Aktion: hier kommt keiner mehr durch

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Zum Spatenstich werden Hessens Ministerpräsident Roland Koch sowie
Fraport-Vorstand Wilhelm Bender erwartet. GegnerInnen des Flughafenausbaus haben für heute zu einer Demonstration zur Wiederbepflanzung des zu Jahresbeginn gerodeten Waldes aufgerufen.

Für den Bau der neuen Landebahn sollen insgesamt 300 Hektar Bannwald fallen, ein großer Teil davon ist bereits gerodet. Damit wurden ein wichtiger Klimaregulator, der Lebensraum vieler, teilweise bedrohter Tierarten, ein wichtiges Naherholungsgebiet und natürlicher
Schallschutz bereits zerstört. Fraport will mit der Landebahn Nord-West die jährlichen Flugbewegungen von 500.000 auf 750.000 steigern, technisch möglich wären bis zu einer Million Flugbewegungen.

Die Folgen für das Klima wären immens. Durch nichts schadet der einzelne Bürger dem Klima so schnell und so intensiv wie durch Flugreisen. Zudem stiege in der Flughafenregion die Belastung durch Abgase und Fluglärm. „Das Vorgehen der Fraport ist ein Angriff auf die Menschen in der Region, auf Klima und Umwelt“, sagt ROBIN WOOD-Aktivist Alex Valerius. „Je ungestörter der Ausbau vonstatten geht, desto rücksichtsloser wird Fraport in der Region zu Werke gehen“.

Nicht nur in Kelsterbach breitet sich der Flughafen auf Kosten des Waldes aus. Auch im Südosten bei Walldorf und Dreieich soll Wald für die Verkehrsanbindung eines neuen dritten Terminals auf dem Gelände der ehemaligen US-Airbase fallen.

Auf besondere Kritik stößt bei ROBIN WOOD die Wahl des Datums für den Festakt. Die erste befestigte Rollbahn des heutigen Rhein-Main-Airports mussten ab November 1943 Strafgefangene anlegen. Ab August 1944 schufteten jüdische Zwangsarbeiterinnen aus Ungarn für den Flughafen.

Sie waren dafür aus Auschwitz in das KZ-Außenlager Walldorf verbracht worden. Die Frauen, die die Zwangsarbeit für den Flughafen überlebten, wurden in das KZ Ravensbrück deportiert. Bis Kriegsende wurden russische Kriegsgefangene zur Arbeit am Flughafen gezwungen. Fraport führt in ihrer Firmenchronik für die Jahre 1939 bis 1945 Zerstörungen durch Bombenangriffe und Sprengungen auf, kein Wort zur Zwangsarbeit und zu den Menschen, die sie leisteten. „Der 8. Mai ist der Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus und des Kriegsendes. An diesem Tag einen Spatenstich für eine Landebahn zu feiern, statt an die Geschichte zu erinnern, zeugt von einer furchtbaren Schlussstrich-Mentalität“, sagt Monika Lege, Verkehrsreferentin bei ROBIN WOOD.

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